Warum muss Werbung für Business-Kunden eigentlich immer langweilig sein? Bislang war es ja immer so, dass die Meinung vorgeherrscht hat (bzw. immer noch vorherrscht), Firmenkunden seien vor allem mit Seriosität - oder mit Bestechung von Einzelpersonen, aber das ist eine andere Geschichte - zu locken. Im Interesse des professionellen B2B-Marketings sahen und sehen viele Verantwortliche es nahezu als ihre Pflicht an, ihre potenziellen Geschäftspartner zu langweilen.
Ein Beispiel, dass dem keineswegs so sein muss, kommt derzeit aus der Schweiz. Das größte Schweizer Medienunternehmen Ringier hat sich nun nämlich zu einer viralen Kampagne entschlossen, deren Machart eher an Werbeaktionen für Deosprays, Videospielekonsolen und koffeinhaltige Limonaden erinnert als an seriöse Produkt- und Dienstleistungs"informationen", die sich an vermeintlich rein vernunftgeleitete Geschäftskunden richten. Dabei geht es um ein vergleichsweise sprödes Thema: Einen Anzeigenpool namens RomandieMax, der die französischsprachigen Zeitschriften L'Hebdo, L'illustré und TV8 betreut.
Die Frage, wie man eine die Sinne wenig ansprechende abstrakte Dienstleistung den in Frage kommenden Mediaplanerinnen und Mediaplanern auf erfrischende Art und Weise schmackhaft machen kann, hat die Lausanner Agentur Tasmanie SA für Ringier Normandie auf clevere und unkonventionelle Art und Weise beantwortet. In drei Viralspots, in denen ein Testimonial namens „Professor Max" für die „Dreifachwirkung" von RomandieMax wirbt, wird der Eindruck erweckt, es handle sich dabei nicht um dröge Akquirierung von Anzeigenkunden, sondern um witzige Waschmittelspots, womit
den Werbern das Kunststück gelungen ist, den Inseratenpool in Form einer Genreparodie „angreifbar" zu machen. Um eine gewisse Dramaturgie in die Aktion zu bringen, wurden jedoch nicht alle drei Clips auf einmal ins Netz gestellt, sondern sind erst nach und nach auf romandiemax.ch (wo man übrigens unter anderem sogar ein kleines Advergame spielen kann) zu bewundern. Gleichzeitig werden die Spots Agenturen per E-Mail verschickt.
Die unkonventionelle Aktion ist allerdings nicht - wie man vielleicht meinen könnte - ein gewagter Versuchsballon, sondern das Ergebnis positiver Erfahrungen, die man bei Ringier Romandie auf diesem Sektor bereits mit außergewöhnlichen Einfällen gemacht hat. So wurden bei der Markteinführung
von RomandieMax vor zwei Jahren zum Beispiel sogar Fässer verschickt. Nicht nur, dass das Feedback von Agenturen und Inserenten große Sympathien für die gebotene Kreativität erkennen ließen, nein auch in den Auftragszahlen fanden die Ideen schließlich ihren positiven Niederschlag, wie das Unternehmen erklärt.
Eigentlich ist es ja gar nicht weiter verwunderlich. Wer würde - vorausgesetzt bei ungefähr gleicher Leistung - nicht eher einem Anzeigenpool mit Videospots und eigenem Screensaver zutrauen, dass Inserate am besten zur Geltung kommen als bei einem Herausgeber, der bloß langweilig Tarife auflistet?
Gefunden auf: romandiemax.ch