Männlich, technikinteressiert, nicht mit übertrieben hoher formaler Bildung ausgestattet und - damit verbunden - mit mäßigem Gehalt. So ungefähr stellt sich wohl jeder den durchschnittlichen Heimwerker vor. Damit verbunden sind freilich auch Assoziationen der Frustration, des Geldmangels und sogar von Familien- und Beziehungskrisen.
Mit seiner neuen Kampagne versucht nun Hornbach augenscheinlich an diesem festgefahrenen Bild zu rütteln. Mit dem Slogan "Niemand wird als Held geboren. Aber jeder kann einer werden." rückt der
Baumarkt neue Zielgruppen ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Auf der Homepage des Baumarktes umschreibt Vorstandsvorsitzender Albrecht Hornbach die Kampagne so:
"Unsere Kampagne umfasst sechs Motive, die wir Ihnen hier vorstellen wollen. Alte Menschen, Homosexuelle, Menschen anderer Nationalität, Behinderte, Religion und das Aussehen jenseits gängiger Schönheitsnormen stehen im Mittelpunkt. Die Anzeigenmotive sollen verdeutlichen, dass Menschen, die manche als 'Randgruppen' bezeichnen, kein Schattendasein führen, sondern dass jeder einzelne unsere Gesellschaft in seiner Einzigartigkeit bereichert."
Eigentlich sollte es nicht erst Baumarktwerbung bedürfen, um zu dieser Erkenntnis gelangen; vielmehr verrät dieses Statement aber eigentlich - genauso wie die
gesamte Kampagne -, dass sich zumindest in Heimwerkerkreisen diese Selbstverständlichkeit eben noch lange nicht durchgesetzt hat. Zudem scheinen die Sujets mit den spezifischen "Rand(ziel)gruppen", die Hornbach etwas pathetisch als "Helden des Projekts" bezeichnet, nicht ganz stimmig zu sein.
Die Frau zum Beispiel, die mit den Worten "Du hast Österreich mit aufgebaut. Also lass Dir nicht erzählen, wie man renoviert." ist derart alt, dass in ihrem Fall jedwede heimwerkerische Tätigkeit mit Sicherheit ziemlich rasch in physische Qualen münden würde. "Perfekt aussehen muss nur, wer sonst nichts kann", scheint ein etwas beleibterer Mann auf einem anderen Sujet zu denken - eine Einstellung, deren Mehrheitsfähigkeit unter Baumarkt-Kunden erfahrungsgemäß ohnehin niemals in Gefahr zu sein schien.
Prinzipiell ist die neue Hornbach-Kampagne natürlich durchaus begrüßenswert. Dass sich ein etwas alternatives Image auch in diesem Marktsegment trotz der
traditionell konservativen Klientel lohnen kann, führt uns schließlich schon Ikea seit Jahrzehnten vor Augen. Baumarkt-Kunden als Helden eines Projekt zu sehen (statt als arme Schlucker, die sich keinen Handwerker leisten können), ist zumindest sympathisch; vermeintliche Randgruppen dafür aber extra erst auszuweisen, um sie dann daraufhin zu vereinnahmen, etwas weniger.
Gefunden auf: Hornbach.de