Das Gap hat sich seit den Anfängen in den 90ern zu einem der
wichtigsten Magazine für Popkultur in Österreich entwickelt. Pünktlich
zur neuen Ausgabe (Nr. 67) hat Flip-the-Flop mit Niko Alm, dem
Herausgeber von The Gap ein Interview über Entrepreneurship und
das aussergewöhnliche Konzept eines Magazins für Popkultur gesprochen.
Interview
Flip The Flop
Wir freuen uns,
Sie als Herausgeber von The Gap, unserer Meinung nach Österreichs
bestem Medium für Popkultur, interviewen zu dürfen. Herzlich willkommen
auf Flip the Flop!
NIKO ALM
Guten Tag.
Für den ungewöhnlichen Fall, dass unter unseren Lesern jemand
das Gap nicht kennt, könnten Sie uns eine Synopse liefern, um was es in
Ihrem Magazin geht?
Das Gap ist ein Magazin für Popkultur. Das
bedeutet, wir behandeln Themen aus den Bereichen Musik, Film,
Literatur, Spiele, Kunst, aber in letzter Zeit auch Wissenschaft,
Politik (z. B. mit Kolumnen von Heide Schmidt und Marie Ringler) und
allem was uns in diesem Zusammenhang relevant erscheint. Vielerorts
wird das Gap aber nach wie vor als Musik-Magazin wahrgenommen, was
nicht ganz unrichtig ist, da noch immer ein großer Teil unseres
inhaltlichen Angebots Musikthemen betrifft und wir mit mehr als 1,000
geschriebenen Musikreviews pro Jahr sicher den größten Überblick aller
Printmedien über das vorhandene Angebot schaffen. Zusammengefasst: Das
Gap ist eine Mischung aus General Interest Magazin, was die inhaltliche
Breite betrifft, und Special Interest Magazin, was die inhaltliche
Tiefe betrifft, und damit insgesamt ein eher unübliches Format.
Entrepreneurship und das Geheimnis meines Erfolges
Sie
haben Publizistik studiert und sind mit Ihren 30 Jahren inzwischen
nicht nur Herausgeber von The Gap, sondern auch Geschäftsführer einer
Werbeagentur (Super-Fi) und eines Softwareunternehmens (m-otion). Sie
sind ein Hoffnungsschimmer für jeden zukunftsgeängstigten
Publizistik-Studenten. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Bin
ich damit nicht eher ein Hoffnungsschimmer für Wirtschaftsstudentinnen?
Meine unternehmerischen Tätigkeiten per se stehen ja mit
Kommunikationswissenschaften nur inhaltlich in Zusammenhang. Generell
habe ich das sogenannte Publizistik-Studium nie deswegen absolviert, um
später Journalist zu werden oder in einem Medienbetrieb zu arbeiten.
Dass ich später selbst einen Verlag für das Gap (mit)gegründet habe,
nämlich Monopol, darf getrost als Zufall bezeichnet werden.
Andererseits, um auf das Wirtschaftsstudium zurückzukommen, das mir
auch nicht fremd ist, werden auch hier die Studierenden eher
dahingehend überzeugt in möglichst großen Unternehmen Unterschlupf
finden zu müssen, als selbst eines zu gründen. Entrepreneurship ist
also studienunabhängig und wenn es so etwas wie ein Geheimnis des
Erfolgs gibt, dann ist es leider ganz banal: nämlich seine eigene Sache
mit Nachdruck zu verfolgen, d. h. arbeiten.
Auch das Gap kann auf eine ereignisreiche Entwicklung
zurückblicken. Als Insider weiß frau, dass alles in einem kleinen Stall
in Bethlehem, ich meine natürlich als Semesterarbeit einer
Seminargruppe am Publizistik-Institut begann. Wie ging es dann bis
heute weiter?
Der Gründungsmythos hält sich hartnäckig. Faktum
ist aber, dass das Gap eine Reihe von Entwicklungsschüben erfahren hat.
In den ersten 4 Jahren seines Bestehens (von 1997 – 2001) war das
Magazin ein inhaltich bescheidenes, unprofessionell geführtes Fanzine.
Das änderte sich mit Nummer 038 als wir die Auflage auf 40.000
verzehnfachten und durchgängig 4-färbig wurden. Damals begannen wir
auch unser eigenes für den Gratis-Vertrieb notwendiges
Distributionsnetz aufzubauen und das Magazin wurde so ein für die
Werbewirtschaft relevantes Medium. 2004 gründeten wir den Monopol
Verlag und änderten das Erscheinungsbild zum heutigen Status Quo. Der
letzte Sprung erfolgte 2005, als wir schlussendlich auch intern die
Abläufe professionalisierten und begannen allen MitarbeiterInnen
Honorare auszuzahlen. Bis 2006 erschien das Gap 6 Mal im Jahr, heuer
erscheinen wir 8 Mal. Wenn das gut läuft, erscheinen wir nächstes Jahr
monatlich.
Sowohl bei Artikeln und Interviews als auch in der
stets gut gefüllten Abteilung "Rezensionen" gehen die Gap-Redakteure
gern in die Tiefe. Bis auf wenige Ausnahmen machen sie das meist
unbezahlt. Wie motiviert man als Herausgeber seine Redakteure zu so
einer Hingabe?
Das ist zugegebenermaßen nicht mein Verdienst,
sondern in erster Linie der meiner Vorgänger und der historischen
Entwicklung aus dem Fanzine-Gedanken heraus. Allerdings stimmt es auch
nicht mehr. Wir zahlen ja seit einem Jahr Honorare.
Das Konzept eines Gratis-Magazines
Abgesehen vom
-großteils wirklich genial geschriebenen- Inhalt ist das Beste am Gap,
dass es gratis ist. Was viele Leser brennend interessiert: Was ist der
Grund dafür?
Die Frage ist leicht zu beantworten, wenn man hinter
die Kulissen blickt: die Umsatzerlöse aus dem Verkauf würden nur etwa
10% der Kosten decken. Befreit man sich von dieser Schranke, die ja
auch administrative Kosten verursacht, stehen einem ganz andere
Möglichkeiten für den Vertrieb offen. Und eine sinnvoll verteilte, hohe
Auflage ist auch für Werbekunden interessanter.
Das schönste daran ist natürlich, dass wir so auch sehr viel mehr
LeserInnen haben, denn schlussendlich wollen wir ja genau das.
Was
das Gap meiner Meinung nach noch vom Rest der schönen heilen
Magazinlandschaft unterscheidet, sind Design und Layout. Das Auge isst
mit und wird bei jeder neuen Ausgabe übersatt. Was steckt hinter diesem
Spiel mit dem Logo am Cover, der kleinen Schrift, die immer neu
gestalteten Illustrationen? Kalkül oder reine Lust an der Freud?
Das
ist Konzept und Markenzeichen. Speziell das Layout und die sich
ändernden Gestaltungselemente werden sehr geschätzt. Die kleine Schrift
wird hingegen oft bekrittelt, hält aber einem Größenvergleich mit
anderen Magazinen durchaus stand. Dennoch werden wir das mittelfristig
ändern und den Wünschen nachgeben.
Wie läuft der
Themenfindungsprozess bei The Gap ab? Jeder nach seinem Geschmack und
Laune oder gibt’s so was wie geregelte Redaktionssitzungen mit fixer
Themenvergabe und Abgabeterminen?
Weder noch bzw. beides.
Chefredakteur Thomas Weber und Chef vom Dienst Martin Mühl entwickeln
Themen und selektieren aus den Ideen der beitragenden AutorInnen was
für die kommenden Ausgaben berücksichtigt wird. Da wir keine fix
angestellte Redaktion haben, sind unsere Redaktionssitzungen eher von
organisatorischen Belangen geprägt.
Und eine letzte Frage: In
lautes Lachen und schmutziges Grinsen lässt mich immer meine
Lieblingskolumne von Illbilly the K.I.T.T. ausbrechen. Können Sie uns
verraten, wer hinter dem Pseudonym steckt oder unterliegt die
Anonymität des Autors aufgrund der inhaltlichen Brisanz der Kolumne dem
Zeugenschutzprogramm?
Ich kann genausoviel verraten wie Thomas Weber in einem Editorial schon verraten hat. Sein Nachname beginnt mit G.
Vielen Dank für das Interview!
Niko Alm ist Herausgeber
von "the Gap", sowie
Geschäftsführer von m-otion (Softwareunternehmen)
und Super-Fi (Werbeagentur)
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