Begonnen
hatte alles 1920, als Adi Dassler aus den wenigen Materialien, die nach dem
ersten Weltkrieg erhältlich waren, seine ersten Schuhe fertigte. Heute
reicht die adidas Produkt-Palette von Schuhen, Bekleidung und Accessoires für
Basketball über Fußball, Fitness und Training bis hin zu Adventure, Trail und Golf.
Adidas
hat durch die WM 2006 einen starken Auftrieb erlebt. Deutschland als Gastgeber-
und Heimatland der Marke steht endlich wieder zu seinem Land. Fliptheflop will
wissen, was dahinter steckt. Deshalb interviewen wird den Spezialisten
in Sachen adidas: Karl
Heinz Lang - er hat Anfang 1975 als
Assistent von Adi Dassler angefangen und war bis 1996 im Bereich Footwear Operations tätig.
Seit 1997 ist der Spezialist "Head of HR Global Training Center & Archives" und
gilt allgemein als "das Gedächtnis von adidas".
Interview
Flip The Flop
Herr
Lang, wir freuen uns Sie als langjährigen adidas-Kenner interviewen zu dürfen. Die WM ist sehr erfolgreich verlaufen. Wie
war denn die Stimmung während der WM bei Adidas?
Karl Heinz Lang
Wir bei adidas sind ja ein gemischtes Völkchen. Die Stimmung
war dementsprechend gut – es war so wie überall in Deutschland. Fahnen wohin
das Auge reicht!
Gab es durch
die WM mehr zu tun?
Ja sicherlich. Die WM hat alle Vorstellungen bei weitem
übertroffen. Das ist natürlich auch mit
mehr Arbeit verbunden. Alle Personen die im Bereich Communication oder
produktionsbezogen gearbeitet haben, waren natürlich stärker eingespant. Viele Kollegen waren nach der WM platt und haben sich danach
einen wohlverdienten Urlaub gegönnt. Die hohe Konzentration und die intensive
Arbeit schlaucht, auch wenn’s sehr viel Freude macht. Zudem hatten wir einen großen Medienauflauf, sind von einem
Interview zum andern gewandert. Aber das alles ist ja ein positiver Stress.
Der Teamgeist
Der Teamgeist
wurde über 15 Millionen Mal verkauft. Wie kommt es, dass sich der Ball so
unheimlich gut verkaufte?
Die hohen Verkaufszahlen lagen sicherlich zum Teil am Namen,
der hat’ s getroffen. Er war ja Teil einer Gesamtkampagne. Der Ball hat die Stimmung in jedem Fall total getroffen.
Zwei Torhüter haben sich sogar beschwert dass der Ball zu gut fliegt. Doch der
Tordurchschnitt bei der WM war extrem niedrig. Wäre der Ball nicht so gut
geflogen, wäre dies möglicherweise die Torärmste WM aller Zeiten geworden. Der Teamgeist ist zudem vom Stiftung Warentest zum besten
Ball gekürt worden. Ja und das spezielle Design darf auch nicht vergessen
werden. Die Medien haben viel darüber berichtet – sie sagten mitunter erinnert
das Design des TEAMGEIST an eine Slip Einlage. Das sprach sich natürlich herum
wie ein Lauffeuer und kurbelte den Verkauf zudem an.
Woher wussten Sie, wie viele Bälle adidas verkaufen wird?
Das wussten wir nicht, aber es gab schon Vorstellungen.
Waren immer genügend Bälle vorhanden, oder musste der Ein oder Andere schon mal auf
seinen Teamgeist warten?
Es wurden wie gesagt alle Erwartungen übertroffen. Wir mussten extrem gut planen. Man hat nach den Schätzungen
entsprechend vorproduziert. Aber es gab schon kleine Engpässe.
Und der
Spielball selbst?
Zum ersten Mal bei einer WM stand auf den Spielball Wer
gegen Wen und Wann spielt. Die Bälle wurden bei uns in Scheinfeld mit dem
jeweiligen Mannschaftsnamen und dem Spieldatum, bedruckt. Das konnte zwar logistisch vorbereitet werden, aber man
stößt mit der Zeit an die Kapazitätsgrenze. Wir hatten ja nur 2 Tage Zeit um
die Bälle zu bedrucken und wussten im Vorhinein nicht, Wer gegen Wen spielt.
Welche Auswirkungen hatte der Name TEAMGEIST
auf die WM?
Der TEAMGEIST hat die Stimmung während der ganzen WM
repräsentiert. Es entstand eine wunderbare Symbiose. Der Name war auf
einmal das Gefühl der Menschen. Nicht nur Spieler sondern auch Zuschauer waren
der Teamgeist. Aber es war nicht nur der Teamgeist, die Stimmung schwappte
auch zu anderen Produkten über. Ein Beispiel ist das „Danke Schön“ Trikot das
die deutsche Elf beim Auftritt in Berlin trug. Das war zwar alles vorbereitet,
man ging jedoch von einer kleinen Menge aus und der Auftritt in Berlin
verursachte eine explosionsartige Nachfrage, auf die wir zu Beginn nicht
vorbereitet waren.
Der Schuh
Welche Modelle
wurden auf der WM gespielt?
Eine bunte Mischung. Die meisten Spieler haben sich ihre
Schuhe ausgesucht. Man konnte sehr gut sehen, dass die jungen Spieler
vorwiegend die neuen Modelle gespielt haben, während die erfahreneren Spieler
auf unsere allbewährten Modelle zurückgegriffen haben. Podolski und Schweinsteiger haben den +50 Tunit gespielt,
Ballack und Zidane den Predator. Und eine ganze Reihe von Spielern haben den Copa Mundial und
den World Cup zum spielen gewählt. Dies kann nur die Entscheidung der Spieler
gewesen sein und zeugt von der Qualität unserer Schuhe, denn der Copa Mundial
und der World Cup sind Klassiker. Diese Schuhe werden schon seit den 80er
Jahren gespielt und werden momentan von uns nicht verstärkt beworben.
Adidas sagt
selbst: Adidas war,
ist und wird immer die führende globale Fußballmarke sein. Weshalb ist das
Ihrer Meinung nach so?
Das liegt einerseits in der langen Tradition und der hohen
Qualität der Produkte. Andererseits trägt unser Fokus auf Innovation einen
großen Anteil zum Erfolg bei. Tatsache
ist, dass schon ganz am Anfang der Marke, also vor dem zweiten Weltkrieg,
Leichtathletik- und Fußballprodukte hergestellt wurden. Nach dem zweiten
Weltkrieg lag der Schwerpunkt von adidas dann beim Fußball. Die Geschichte von
adidas und Puma ist ja wohl bekannt. Die beiden Marken standen in einem
ständigen Konkurrenzkampf, weshalb beide verstärkt versucht haben, sich durch
Innovationen einen Vorteil zu verschaffen. Adi Dassler war mit adidas jedoch
immer der Stärkere in Sachen Innovation. Innovationen sind demnach in der Geschichte von adidas tief
verwurzelt. Das Gefühl für Fußballschuhe
ist bei uns einfach vorhanden.
Stichwort +10
Die größte Marketingkampagne für und um den
Fußball von adidas.
Irgendwann taucht der Begriff +10 sicherlich im Duden auf.
Sie müssen sich vorstellen, es war nicht nur eine reine Kampagne nach außen
sondern auch intern. +10 wurde auch über unser Intranet verwendet. Alles ist
auf das Gemeinschaftsspiel gerichtet. Denn allein bist nicht viel aber im Team
bist du alles. Auch die Japaner waren von dieser Philosophie sehr angetan. Es gab eine eigene interne adidas WM die auf allen Kontinenten
ausgetragen wurde. Jedes Land hatte eigene Mannschaften und es wurde um den
jeweiligen Kontinentmeister gespielt. Die Kontinentmeister traten dann jeweils
gegeneinander in Herzogenaurach an. Letztendlich haben die Amerikaner vor den
Deutschen die adidas WM gewonnen. Das BBC London hat den ganzen Spaß auch
aufgenommen. Das kam natürlich auch bei denjenigen, die mit Fußball nicht
viel anfangen können super an. Diese internen Veranstaltungen waren der sehr
wichtig für die Mitarbeitermotivation.
Was ist für
die EM 2008 zu erwarten?
Hier zitiere ich den viel gehörten Satz von Herberger –
„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel." Wenn unsere Entwickler und Designer
sich jetzt erst am Kopf kratzen würden wäre das verdammt spät. Einen Teamgeist
zu entwickeln geht nicht in 3 Wochen. Hier geht es schließlich nicht nur um Namen und Design
sondern auch um Technologie.
Gibt es schon
zahlen über die WM bedingten Umsatzsteigerungen?
Die Sache ist noch nicht ganz abgeschlossen, im 4. Quartal
ist mit den Zahlen zu rechnen. Aber es ist deutlich mehr als erwartet.
Herr Lang,
vielen Dank für Ihre Zeit. Es war uns eine Freude.
Karl Heinz Lang, Head of HR Global Training Center & Archiv bei adidas gilt allgemein als das "Gedächnis von adidas"