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| Empathie für die Jäger |
| Geschrieben von: Rafael Buchegger |
| Montag, den 11. Mai 2009 um 13:54 Uhr |
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Egoshooter und Co., in den Massenmedien liebevoll „Killerspiele“ genannt, bieten ja immer wieder neuen Stoff für breite Diskussionen. Sie ließen die Jugend verrohen, senken die Empathie und zählen offenbar zu den Lieblingsbeschäftigungen von angehenden Amokläufern, heißt es. Doch wie verhält es sich eigentlich, wenn ein Killerspiel im Dienste einer guten Sache steht? Ganz neu ist die Diskussion auch nicht mehr, an Emotionalität hat sie trotzdem über all die Jahre nichts eingebüßt: Erhöhen „Killerspiele“ die Gewaltbereitschaft? Während die Einen – allem voran Gamer selbst – behaupten, Egoshooter und Co. steigern die soziale Kompetenz und darüber hinaus sogar die Intelligenz sowie das Koordinationsvermögen, sind die Anderen strikt vom Gegenteil überzeugt. „Die Literatur hierzu ist zwar noch nicht so groß wie die zum Fernsehkonsum, aber es gibt mittlerweile genügend Arbeiten, die zeigen, dass auch Computerspiele Gewalt erzeugen“, argumentierte etwa Manfred Spitzer, Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, in einem vielbeachten Beitrag für das Populärwissenschaftsmagazin „P.M.“. Für den Internisten, Psychiater und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin Joachim Bauer ist dies kein Zufall: „Das Gehirn ist ein permanent lernendes System. Es macht ausgerechnet dann, wenn es um die für Jugendliche überaus spannende und brisante Darbietung von Gewaltverhalten geht, keine Lernpause“, schreibt er in seinem Buch „Warum ich fühle, was du fühlst“.Doch auch wenn Gewalt verherrlichende Games prinzipiell eher negative Folgen haben mögen (wie viele Wissenschaftler überzeugt sind), wäre es vielleicht nicht trotzdem denkbar, dass Killerspiele trotzdem auch einer guten Sache dienen könnten? Mit einem eindeutigen „Ja“ scheint die argentinische Tierschutzorganisation FABA – die lokale PETA – diese Frage zu beantworten. In einem von der Agentur BBDO Argentina entworfenen Advergame namens „Fur Hunters“ übernehmen die Spieler die Rolle von Nerzen, Seelöwen oder Füchsen. Ihre Mission: Die Ermordung Pelz tragender Frauen, die vermutlich nicht zufällig ein wenig an Serien-Bösewicht Charles Montgomery Burns aus den „Simpsons“ erinnern. Das jeweilige Tier hat dafür jene Mordwaffe zur Verfügung, mit der es normalerweise selbst von Pelzjägern abgeschlachtet wird. Die Botschaft soll wohl daher lauten: „Seht her, wie brutal das ist!“ Doch ob dies wirklich auf diese Art und Weise kommunizierbar ist, ist mehr als fraglich. Die Figuren sind allesamt cartoonesk dargestellt; musikalisch begleitet wird der Reigen an Gewalt von aggressivem Metal. Richtiggehend kontraproduktiv erscheint aber die – schnell langweilende – Spielführung selbst: Statt das Mitleid mit den Tieren in den Vordergrund zu stellen, wird in dem Advergame das genaue Gegenteil erreicht: Es erzeugt Gemetzel-Stimmung. Die Empathie gilt also nicht den Gejagten, sondern bestenfalls der Rolle des Jägers.Wie schlimm bzw. wie harmlos Killerspiele nun wirklich sind, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Dass bei Menschen jedoch das Mitgefühl gesteigert wird, indem man ihnen die Rolle von brutalen Cartoon-Mördern zuweist, erscheint jedoch beinahe wahnwitzig.
Advergame Argentinien FABA peta |






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